El hurgador

Dez 04, 13 El hurgador


 
 
 
 
 
 
 
 
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http://elhurgador.blogspot.ch/ ist ein Blog, der sich mit Kunst, Künstlern und allgemeinen kunstorientierten Fragestellungen beschäftigt.

Wir vom Kunstalker mögen den Inhalt und die Präsentation seiner Beiträge sehr. Deshalb haben wir um ein Interview mit dem Betreiber des Blogs, Javier Fuentes, gebeten, um ihn, seine Arbeitsweise und seine Gedanken über Kunst näher kennenzulernen.


 

Bitte stellen Sie sich vor.

Ich wurde 1963 in Montevideo, Uruguay, geboren. Seit 14 Jahren lebe ich auf Teneriffa, kanarische Inseln, Spanien.

Seit 8 Jahren arbeite ich in einem öffentlichen Krankenhaus hier auf Teneriffa, im Auskunftsdienst der Notfallstation.

Ich bin ganz einfach ein Kunstliebhaber und war es so lange ich denken kann. Als ich jung war, war ich mehr an Wissenschaft (Mathematik, Physik,…) interessiert, aber als ich ungefähr 35 Jahre alt war, entschloss ich mehr über humanistische Themen zu erfahren. Ich begann einen Bachelor in Bibliothecology. Ich studierte für ein paar Jahre an der Universität. Mein Studium habe ich aber nicht abgeschlossen aufgrund gewisser Umstände in meinem Leben, die mich dazu bewegt haben, nach Spanien zu ziehen.

 

Wie gehen Sie vor beim Erarbeiten eines Beitrags? Es scheint, als wären Sie ganz alleine zuständig für den Blog, sowohl für den Inhalt, als auch für das Administrative. Da Sie aber beinahe täglich neue Beiträge veröffentlichen, frage ich mich, ob noch weitere Personen in den Arbeitsprozess mit einbezogen werden.

Ich arbeite alleine und mache alles selbst. Heutzutage versuche ich jeden Tag von Montag bis Freitag einen Text zu veröffentlichen. Als ich mit dem Blog begann, lud ich sogar noch mehr Beiträge hoch. Aber als der Blog sich weiterentwickelte, wurden die Beiträge immer ausführlicher. Jetzt brauche ich mehr Zeit, um etwas mit „Substanz“, relevanten Informationen und so weiter zu publizieren. Ich habe schon lange darüber nachgedacht mit Experten zusammenzuarbeiten, um fachlich fundierte Posts über bestimmte Themen zu erarbeiten, doch es ist sehr schwierig Leute zu finden, die genug Zeit und gute Ideen haben, und überdies bereit sind unentgeltlich zu arbeiten.

 

Ihr Blog ist sehr informativ und geizt nicht mit Bildern. Das ist meiner Meinung nach äusserst wichtig, wenn über Kunst gesprochen wird. Der Leser sollte die Kunst sehen und nicht bloss darüber lesen. Deshalb bewundere ich die Art, wie Sie Ihre Texte präsentieren sehr.

Ich sehe meinen Blog bloss als persönliches Projekt, um Bilder und Informationen über Kunst, die ich mag, zu sammeln und zu organisieren.

Aber ich bin derselben Meinung: Kunst ist etwas, das gesehen (gehört, angefasst) werden soll. Man soll nicht bloss darüber lesen. Häufig stellt es sich als grosses Problem dar eine vernünftige Anzahl an Bildern auszusuchen, um die Arbeit der vorgestellten Künstler zu illustrieren. Manchmal habe ich Schwierigkeiten damit einen Beitrag mit guter Balance zwischen Text und Bild zu schaffen und ich muss zugeben, dass es öfter vorkommt, dass meine Texte wahrscheinlich ein wenig zu lang sind. Aber… was kann ich machen? Ich geniesse es sehr, es auf diese Weise zu machen.

 

Wieso betreiben Sie diesen Blog? Im Informationsabschnitt steht “Blog dedicado a difundir imágenes e información sobre arte, artistas, eventos y material en general relacionado con cuestiones artísticas.” (Übersetzung: Dies ist ein Blog, der sich dem Verbreiten von Bildern und Informationen über Kunst, Künstler, Events und allgemeinem Material Kunst betreffend widmet.) Diese Erklärung ist sehr ausführlich. Dennoch interessiert mich, wieso genau Sie mit diesem Blog begonnen haben. Wollten Sie ganz einfach Ihre Liebe für Kunst mit der Welt teilen? Oder kennen Sie persönlich Künstler, die Sie anhand dieses Blog unterstützen möchten?

Im Verlauf der Jahre habe ich einige interessante Blogs über Kunstthemen entdeckt. Aber wie das meistens so ist, hat keiner dieser Blogs meine Interessen vollständig befriedigt und meine Erwartungen erfüllt. Manche bieten gute Bilder von Kunst, aber wenig Information an. Andere besitzen bessere Informationen, aber schlechte Bilder. Viele sind auf Englisch geschrieben, doch meine Sprache ist Spanisch. Einige sind sehr spezifisch, andere wiederum zu vage. Und so weiter. Deshalb habe ich eines Tages gedacht, dass ich wahrscheinlich meine eigene Auswahl an Künstlern und Kunstwerken machen könnte um etwas zu schaffen, das meine eigenen Kriterien erfüllt, darüber, was ich interessant finde, und wie es meiner Meinung nach präsentiert werden sollte.

Ich begann also mit ein paar grundlegenden Vorstellungen, aber eigentlich wollte ich eine persönliche Auswahl schaffen und wurde darin unterstützt von der Tatsache, dass es heutzutage nicht sehr kompliziert ist, einen eigenen Blog zu publizieren. Wenn meine ersten Beiträge von vor zwei Jahren angesehen werden, fällt auf, dass sie einzig aus einer Ansammlung von Bildern über verschiedene Themen, die ich mag (Kunst, wissenschaftliche Bilder, Musik, Kuriositäten,…) bestehen. Inzwischen haben sich die Sachen entwickelt, so dass der Blog nun ein mehr oder weniger definiertes Profil besitzt, mit vier oder fünf Kernelementen, die ich konstant beizubehalten versuche, um dem „hurgador“ eine gewisse Persönlichkeit zu geben.

Ich kannte und kenne ein paar Künstler persönlich, aber nicht sehr viele. Ich habe sogar vor langer Zeit mit Künstlern zusammen gelebt. Ich bin ein Fan von Leuten, die fähig sind Dinge zu kreieren, die ich mag, die Gefühle in mir auslösen und die mich bereichern. Ich mag es sehr Informationen über die Künstler, die ich mag, zu verbreiten und ihnen dadurch zu helfen, ihre Kunst bekannt zu machen. Da ich kein Geld habe, um Kunst zu kaufen, ist das das Beste, das ich machen kann, um sie darin zu unterstützen weiterhin Dinge zu kreieren, die ich geniesse. Deshalb versuche ich auch immer in Kontakt mit den Künstlern zu bleiben und frage um Erlaubnis, ob ich über sie schreiben darf. In diesen zwei Jahren haben mir nur 4 Künstler die Bewilligung nicht gegeben. Zwei wegen der Verträge, an die sie gebunden waren, einer aus Ideologie und einer, weil er nicht wollte, dass Information über ihn verbreitet wird.

 

Denken Sie, dass zu wenig Information über Kunst im Internet vorhanden ist? Wieso haben Sie sich für einen Blog und nicht ein Magazin oder etwas Ähnliches entschieden?

Es gibt nie genug Information. Aber das Problem ist nicht das Fehlen von Information, sondern die Qualität derselben. Manchmal verbringe ich viel Zeit damit zu versuchen Informationen zu verifizieren, denn oftmals finden sich an verschiedenen Orten voneinander abweichende Daten. Sogar an Orten, die eigentlich zuverlässig sein sollten, findet sich hin und wieder falsche Information. Ich möchte etwas publizieren das so weit wie möglich zuverlässig ist und Leuten dienen soll, die ihr Wissen vertiefen möchten. Leider schauen sich die meisten Menschen bloss die Bilder an und lesen den Text nicht. Ich mag es sehr, wenn Besucher lesen, Kommentare hinterlassen und mir helfen Fehler und falsche Information zu korrigieren.

Ich habe mich für einen Blog entschieden, da ich unabhängiges Arbeiten als die beste Möglichkeit ansehe, Schritt für Schritt die Dinge, die ich mag und die ich zeigen möchte, zu definieren. Es ist etwas, bei dem ich ganz frei bin und mich nur an die Einschränkungen halten muss, die ich mir selber auferlege.

 

Ihre Texte sind sehr informativ, gut recherchiert, sauber verlinkt und schön präsentiert. Das erfordert viel Arbeit. Wie viel Aufwand stecken Sie durchschnittlich in die Recherche und das Schreiben der Texte?

Vielen Dank. Es ist mir sehr wichtig akkurate und gut präsentierte Information anzubieten.

Ich verbringe viel Zeit damit nach bestmöglichen Bildern, Informationen über Künstler und Kunstfakten zu suchen. Ich liebe es in Themen einzutauchen, die mich interessieren, und das Netz bietet mir unendliche Möglichkeiten. Ich weiss nicht genau, wie viel Zeit ich pro Text verwende, da es von vielen Faktoren abhängt, aber es sind viele Stunden pro Tag.

 

Wie wählen Sie Ihre Themen? Gehen Sie nach einem bestimmten Muster vor?

Ich folge keinem festgelegten Muster um Themen zu finden, aber nach all dieser Zeit habe ich doch einige Methoden entwickelt. Wenn ich nach Informationen über einen Künstler oder ein bestimmtes Kunstwerk suche, finde ich meistens verwandte Bilder oder Informationen über andere Künstler in Blogs, online Magazinen, auf Webseiten von Galerien, Museen, Sammlungen, auf Facebook… Sobald ich etwas Interessantes finde, beginne ich eine neue Recherchelinie über dieses Thema. Nicht immer finde ich etwas, das mich zufriedenstellt, aber wenn es geschieht, habe ich einen neuen Ansatzpunkt, von dem aus ich aufs Neue beginne. Es ist ein niemals endender Kreis von Recherche und Entdeckungen.

 

Die vorgestellten Künstler leben und arbeiten über die gesamte Welt verteilt. Es scheint, dass Sie keinen Favoriten haben, wenn es um Länder, Epochen oder Kunststile geht. Stimmt das? Oder gibt es etwas, das Sie dem Rest vorziehen? Haben Sie eine Lieblingskunst oder einen Lieblingskünstler?

Nun… Ich denke, wenn ich etwas Interessantes für mich und andere Kunstliebhaber schaffen will, ist die Präsentation von bekannten Künstlern und Kunstwerken sehr wichtig, aber nicht ausreichend. Ich finde es sehr interessant neue Künstler, neue Ausdrucksarten, neue Standpunkte, neue künstlerische Sprachen und Ziele zu entdecken. Als Kunstliebhaber habe ich keine Einschränkungen, auch wenn die am meisten vorgestellten Künstler meines Blogs Maler, Bildhauer und Fotografen sind. Wenn ein Kunstwerk, das ich sehe, die Kraft hat bei mir Gefühle auszulösen, habe ich etwas, mit dem ich beginnen kann. Wie bereits gesagt bin ich Kunstliebhaber. Ich bin kein Kritiker oder Gelehrter. Kunst mag mich, oder nicht. Sie löst bei mir Gefühle aus, oder nicht. Sie weckt meine Neugier, oder nicht. So einfach ist das.

Aus diesem Grund kann ich in jeder Epoche, in jedem Land, jedem Stil und jedem Genre Kunstwerke finden, die ich mag. Es gibt viele Künstler, die ich als unentbehrlich empfinde. Die meisten sind figurative Maler, aber nicht alle: Picasso, Dalí, Rembrandt, Caravaggio, Kokoschka, Kandinsky, Michelangelo… Ich habe gewisse Präferenzen, bin aber immer offen. Ich ziehe figurative Kunst vor, aber ich liebe Kandinsky. Ich ziehe Malerei vor, aber ich liebe Michelangelos Skulpturen, Dürers und Piranesis Gravuren, dutzende von grossartigen Fotografen, mixed media Künstler, Filmemacher, Performer…

 

Gibt es irgendeine Kunst, die Sie nicht mögen?

Nein, aber es gibt viele Kunstwerke, die ich nicht mag.

 

Was ist Kunst für Sie?

Verständlicherweise kann ich keine Definition geben, da ich denke Kunst ist etwas Undefinierbares. Aber es könnte so etwas sein wie die Umsetzung eines individuellen Bedürfnisses anderen durch verschiedene Verkörperungsmethoden etwas Persönliches zu übermitteln – Gefühle, Erfahrungen, Stimmungen, Ideen. Kunst ist überall und in jedem. Es ist ein untrennbarer Teil des Lebens.

Kurz gesagt ist es ein Weg etwas auszudrücken, zu kreieren oder zu machen, das von anderen empfangen und genossen werden soll.

Ausserdem denke ich, dass man sogar Kunst schaffen kann, die von niemand anderem als einem selbst gesehen wird, aber Kunst ohne Empfänger ist lahme Kunst.

 

Was ist die Aufgabe eines Künstlers?

Etwas auszudrücken, das ausgedrückt werden muss, mithilfe jedwedes Mediums und jedweder Technik, die der Künstler beherrscht, um dadurch bei anderen Menschen Gefühle auszulösen.

 

Was ist die Aufgabe einer Person, die über Kunst schreibt?

Das kommt darauf an. Wenn man ein Kunstkritiker ist, will man wahrscheinlich Geld mit der Arbeit anderer machen, indem man versucht etwas zu erklären, das nicht erklärt werden muss (ich scherze… aber nicht sehr viel).

Wenn man Kunstliebhaber ist, will man wahrscheinlich versuchen anderen Leuten zu zeigen, was man mag, oder will sie dazu bringen, die Dinge zu verstehen, die man mag, oder will ihnen verständlich machen, wieso man etwas mag.

Wenn man Künstler ist, will man wahrscheinlich anderen Leuten dadurch helfen zu verstehen, was die eigene Kunst selber nicht erklären kann, oder zumindest Hinweise geben, die den Leuten helfen, die eigene Kunst besser zu verstehen.

 

Was ist die Aufgabe eines Kunstempfängers?

Sie zu fühlen und zu geniessen. Und, wenn möglich, den Künstlern zu helfen weiterhin Kunst zu schaffen.

 

Vielen herzlichen Dank, Javier Fuentes, für dieses interessante Interview.