Fantoche 2013, Tag 4

Sep 10, 13 Fantoche 2013, Tag 4


 

Inhaltsverzeichnis

1. Helveticus

2. L’Ange

 
 
 
 
 
 

Das Animationsfilmfestival Fantoche bietet bereits zum elften Mal während 5 Tagen eine reiche Auswahl an internationalen Kurz- und Langfilmen und unterstützt die Verbreitung und Steigerung der Akzeptanz von Animationsfilm als eigenständige Kunstform zusätzlich durch Fachgespräche und Präsentationen.

Das Angebot des Festivals reicht von Kinderfilmen über Erwachsenenfilme zu Performances und Ausstellungen und ist dermassen reichhaltig, dass ein Besuch sämtlicher Darbietungen unmöglich ist. Eine Auswahl muss getroffen werden. Im Fantoche-Special 2013 stelle ich Ihnen meine Auswahl vor.


 

Am letzten Tag des Fantoche 2013 stelle ich zwei grundsätzlich verschiedene Filme vor: Eine Serie mit Lehrfilmen über die schweizer Geschichte – „Helveticus“ – und einen Experimentalfilm par excellence – „L’Ange“.

Der Macher von „L’Ange“, Patrick Bokanowski, ist beim diesjährigen Fantoche mit einem weiteren Werk, dem Kurzfilm „Battements solaires“ vertreten. Auch Zoltán Horváth, der bei „Helveticus“ den Schnitt übernommen hat, hat mit „Chamane Bazar“ einen eigenen Kurzfilm im diesjährigen Rennen um den besten schweizer Kurzfilm. Die Verwandtschaft der jeweiligen Langfilme zu ihren Kurzfilmpartnern ist nicht zu übersehen.

 

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Helveticus

 

Obwohl ein blasierter Vater im Kinosessel hinter mir nach der Vorstellung findet, er hätte schon besseres gesehen, kann „Helveticus“ gar nicht genug gelobt werden. Seine Zielgruppe sind Kinder, das ist ganz klar. Wenn das vor Augen behalten wird, sehe ich überhaupt keinen Spielraum, ihn zu kritisieren. In kleinen, unterhaltsamen Filmchen erzählt er kurz und knapp wichtige historische und mythische Etappen der schweizer Geschichte, die als Einstieg in dieses Wissensgebiet vollkommen ausreichen. Erwachsene mögen sich bewusst sein, dass gewisse Fakten vereinfacht wurden und dass auch Blut geflossen ist – wovon in diesen Kurzfilmen nichts zu sehen ist – doch sollen die Kinder ja nicht verschreckt, sondern ganz einfach unterrichtet werden.

Die Bilder sind farbenfroh und haben den Charme von Scherenschnitten und die Soundeffekte sind sorgfältig gewählt. Kurz gesagt sind die Filmchen kleine Juwelen und unbedingt weiterzuempfehlen.

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2

L’Ange

 

Bevor der Film gezeigt wird, werden wir Zuschauer davor gewarnt, dass „L’Ange“ nicht jedermanns Sache sei und ein frühzeitiges Verlassen des Vorstellungsraumes nichts sei, wofür man sich schämen müsste. Der Rest der Zuschauer, die bis zum Schluss des Filmes dableiben, rufen erstaunt aus: „Was denn, schon fertig?“ und möchten ihn sich am liebsten gleich noch einmal anschauen.

Der Film spaltet die Zuschauer also in zwei klare Lager auf: Die Liebhaber und die Ich-halte-das-nicht-mehr-aus-Leute. So wie ich den Film erlebt habe, gehe ich davon aus, dass die „Liebhaber“ sich von ihm in eine Art Meditationszustand führen lassen, aus dem sie nach 70 Minuten wieder sanft auftauchen. Die anderen jedoch versuchen die Kontrolle über den Film zu behalten, eine Geschichte in ihm zu erkennen, oder zumindest die Filmbilder kognitiv zu durchschauen. Keines von all dem gelingt.

Ansätze von Erzählungen sind zwar zu erkennen. Auch könnten die verschiedenen Sequenzen durch das Wort „Lebensstadien“ und die zugehörigen emotionalen Zustände miteinander verbunden werden. Vielleicht kann man den Sequenzen aber auch zuschreiben, sie behandelten menschliche Triebkräfte, Urinstinkte, oder dergleichen. Oder vielleicht ist der gesamte Film ganz einfach eine Reflexion über das Leben. Wer weiss.


 
Weitere Texte über das Fantoche 2013:
Tag 1
Tag 2.1
Tag 2.2
Tag 3