Fantoche 2013, Tag 1

Sep 05, 13 Fantoche 2013, Tag 1


 

Inhaltsverzeichnis

1. Depuis 2000… 1

2. Ich will!

3. After School Midnighters

4. Rio 2096: Uma História de Amor e Fúria

5. A Liar’s Autobiography

 

 

 

Das Animationsfilmfestival Fantoche bietet bereits zum elften Mal während 5 Tagen eine reiche Auswahl an internationalen Kurz- und Langfilmen und unterstützt die Verbreitung und Steigerung der Akzeptanz von Animationsfilm als eigenständige Kunstform zusätzlich durch Fachgespräche und Präsentationen.

Das Angebot des Festivals reicht von Kinderfilmen über Erwachsenenfilme zu Performances und Ausstellungen und ist dermassen reichhaltig, dass ein Besuch sämtlicher Darbietungen unmöglich ist. Eine Auswahl muss getroffen werden. Im Fantoche-Special 2013 stelle ich Ihnen meine Auswahl vor.


 

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Depuis 2000… 1

 

„Depuis 2000… 1“ gehört in die Kategorie Kurzfilmprogramme und zeigt 9 Kurzfilme, die in Frankreich seit dem Jahr 2000 entstanden sind. Insgesamt werden am Fantoche vier dieser Blöcke vorgestellt: „Depuis 2000… 1“ bis „Depuis 2000… 4“.

Der erste Film des Blocks „Battements solaires“ besteht aus Umkehrungen und Überlagerungen. Der Umriss eines winzigen Reiters galoppiert mit seinem Pferd über einen Wasserfall, ohne ihn zu berühren. Natürlich nicht wirklich. Der Wasserfall und der Reiter sind voneinander unabhängige Aufnahmen, die übereinander gelegt wurden. Strandgänger spazieren zerstückelt dem Sonnenuntergang an einem friedlichen Sandstrand entlang. Zerstückelt, da die Spaziergänger in Wirklichkeit ihre Spiegelungen im nassen Sand sind. Das offenbart der Film in der zweiten Hälfte, als er die Schatten der Spiegelungen zeigt: Es sind die Spaziergänger, die ihrer Dreidimensionalität beraubt wurden und als Umrisse ihren Spiegelungen im Sand zu Füssen liegen… das Filmbild wurde ganz einfach umgedreht. Wo der Film den Betrachter zu Beginn ratlos sein lässt ob der visuellen Eindrücke, die auf ihn einprasseln, wird er nach und nach milder und lässt Figuren und Formen, Bewegung und Wiederholung erkennbar werden, die den Zuschauer durch den Wiedererkennungseffekt zur Ruhe kommen lassen. Die Musik, im Gegensatz zu den Bildern, ist sehr leicht zugänglich, folgt traditioneller Verwendung von Filmmusik, führt Spannungsbögen zu ihren Höhepunkten und füllt Bildsequenzen mit Sinn.

Sobald der Zugang zu seiner Bildsprache gefunden worden ist, bietet „Battements solaires“ reiche Nahrung für die Sehnerven.

„Walkie Talkie Man (Steriogram)“ ist ein gestrickter Film. Die Geschichte handelt von Musikern, die im Tonstudio einen Song aufnehmen, von einem Sicherheitsmann daran gehindert werden und nach einem heftigen Kampf, der den Leadsänger in der Mitte auseinanderreisst (keine Angst, sein Torso und seine Beine werden sofort wieder – wenn auch verkehrt – mit rotem Garn aneinandergenäht), ihr Lied beenden, während der Sicherheitsmann sich in seine Fäden auflöst und auf einer Spule aufgerollt wird. Die Sänger und Tontechniker werden von echten Menschen dargestellt, der gesamte Rest des Films ist gestrickt.

Ein äusserst unterhaltsamer Kurzfilm, dem die Freude der Macher an der detaillreichen Klein- und Grossarbeit in jedem Filmbild anzumerken ist.

„Les yeux fermés“ nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise per Fahrrad. Zwei Blinde und zwei Sehende sind durch Frankreich geradelt und haben Orte und Menschen kennengelernt. Die Geräusche und Gespräche, die sie auf dieser Reise begleitet haben, wurden von ihnen eingefangen und mit einfachsten Animationen unterlegt. Dabei halten die Animationen, die die Welt der Blinden symbolisieren, denjenigen, die die Welt der Sehenden zeigen, die Waage. Ein sehr ruhiger Film, der durch zurückhaltende, liebevolle Animation besticht, der es nicht an Humor mangelt.

„Clik-Clak“ handelt von zwei Robotern und ihrer Welt, die aus Geräuschen besteht. Jedes Geräusch ist ein anderes Wort, so dass sinnvolle und sinnfreie Gespräche gehalten werden können, bis ein kleiner Junge in die Welt der Roboter tritt und zuerst einmal lernen muss, sich nicht durch gesprochene Worte auszudrücken, sondern durch das Klirren von Tassen, Knarzen von Stühlen und Klopfen gegen Metall.

Die Begeisterung über seine Fortschritte ist dermassen gross auf allen drei Seiten, dass ein Unglück heraufbeschworen wird, das den kleinen Jungen alleine mit seiner Modelleisenbahn zurücklässt, die immer wieder denselben Satz wiederholt.

Der Fantasie sind bei diesem äusserst sorgfältig gemachten Animationsfilm keine Grenzen gesetzt. Die Verbindung von Bild und Geräusch ist bekannt und nichts Neues, doch das Zutun von geschriebenen Worten als eigene Bausteine und die Kombination dieser drei Elemente zu einem homogenen Ganzen zeigt neue Wege für das Erzählen von animierten Geschichten auf.

„Le thé de l’oubli“ erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die beinahe stirbt und ihren Weg aus der Zwischenwelt zurück in ihren Körper finden muss. Eine grosse Anzahl Fabelwesen säumt ihre Reise. Manche sind ihr wohlgesonnen, andere nicht.

Satte Farben zeichnen diesen Kurzfilm aus, dessen Protagonisten sich in schwebenden Bewegungen von einem Ort zum anderen begeben. Diese schwebende Grundstimmung des Films nimmt der drückenden Geschichte ihre Schwere und lässt den Zuschauer die junge Frau auf ihrem Weg entspannt begleiten.

In „Erè mèla mèla“ wird getanzt. Zwei Männer tanzen miteinander durch eine Wohnung, tauschen wie durch Zauberhand Kleidungsstücke untereinander hin und her und füllen den Film mit homosexuellen Konnotationen. Die Tänzer aus Fleisch und Blut verwandeln sich in Charaktere eines Animationsfilms, indem sie ihre Bewegungen durch Stop Motion Technik präsentieren.

Ein sehr aufwändig gemachter Film, der sich der Kraft seiner symbolischen Bildsprache nicht immer ganz sicher ist, weshalb er einige zu offensichtliche Szenen miteinfügt, die den Tanzfluss etwas stören. Der verspielte Austausch von Kleidungsstücken hätte absolut gereicht, um die Thematik verständlich zu machen.

Ein sehr hübscher Film, den man sich gerne anschaut.

„Premier voyage“ schickt einen Knetgummivater mit seiner Knetgummitochter auf eine Zugfahrt. Das Mädchen hat gerade erst gelernt zu sprechen und der Mann hat die Tatsache, dass er nun Vater ist, immer noch nicht gänzlich begriffen. Was sind die Aufgaben eines Vaters? Macht er alles richtig? Und wieso hat er bloss den Löffel zu Hause vergessen? All diese Dinge beschäftigen den Mann, während seine Tochter sich bestens damit unterhält die anderen Fahrgäste mit ihrem Brei zu bewerfen und den Zug durch einen Stromkurzschluss lahmzulegen.

Der Filmemacher Grégoire Sivan widmet seinen Film seiner echten Tochter und schafft eine augenzwinkernde Momentaufnahme eines frischgebackenen Vaters.

„Tim Tom“ kommt ohne Farbe aus. In Grautönen erzählt der Film die Geschichte von zwei Freunden, die versuchen einander zu treffen, von einer bösen Hand aber daran gehindert werden. Die beiden Freunde, deren Köpfe aus Notizblöcken bestehen werfen sich daraufhin in den Kampf gegen die Hand, fallen aus dem Filmbild, rennen auf der Tonspur und landen sogar im Gefängnis, um zu guter Letzt dennoch ihr Treffen unter der Strassenlaterne zu einem erfolgreichen Ende bringen zu können.

Da die Köpfe der beiden Freunde durch Notizblöcke dargestellt werden, werden ihre Emotionen dadurch gezeigt, dass sie ihre Köpfe schnell umblättern um einen neuen Gesichtsausdruck zu präsentieren. Diese lustige Idee erinnert an Daumenkinos. Überhaupt spielt der Film ausführlich mit dem Material Film, manipuliert die Welt der Protagonisten, indem der Filmstreifen angehalten wird und verweist auch auf die Filmgeschichte durch das Sujet, die Lichtgebung und das Filmset, die allesamt an Film Noir erinnern.

Der Einbezug auch der sichtbar gemachten Filmspur ist eine Erweiterung der nicht neuen, humoristischen Manipulation der Filmwelt, die mit der Illusion des Films als Wirklichkeit bricht, indem sie klar darauf aufmerksam macht, dass das Gesehene ein Film ist.

„Tong“ ist ein dusseliger Wissenschaftler, der immer alles falsch macht, bis er schlussendlich die Welt rettet. Wie? Indem er einen riesengrossen Meteoriten, der die Welt zu zerstören droht, verschwinden lässt. Wohin lässt er ihn jedoch verschwinden? In die Zeit der Dinosaurier. Da haben wir also den Verantwortlichen für das Aussterben der Dinosaurier!

Eine sehr detailreiche, sauber gemachte Animation mit überdurchschnittlich vielen Gesichtsausdrücken, die leider gerne auch mal in Klischees abrutschen und haarscharf an Rassismus vorbeischlittern.

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2

Ich will!

 

Der zweite Kurzfilmblock „Ich will!“ ist eine Sammlung von Animationen für Kinder.

Eine in einem Buch gezeichnete Ratte wird in „Rat in a book“ durch ein Vergrösserungsglas nicht nur farbig, sondern auch lebendig gemacht und bei ihrem Abenteuer – dem Diebstahl eines Diamantringes, denn sie ist eine Piratenratte – begleitet.

Die Animation in der Animation erinnert an Comicbücher oder gar Motion Comics, da die Ratte dem Vergrösserungsglas immer wieder entkommt, bis der animierte Leser einen Käfig zeichnet und die Ratte damit fängt.

„Space Race“ beschäftigt sich mit dem Thema, immer das Neueste haben zu wollen. Dieser Wunsch treibt den kleinen Protagonisten so weit, dass er sogar sein altes Spielzeug kaputt macht, nur um das neueste zu bekommen. Als er es jedoch hat, ist bereits wieder ein noch neueres Modell auf dem Markt und lässt ihn enttäuscht zurück.

„Encounter“ erzählt die Geschichte der Freundschaft zwischen einer Maus und einer Katze. Eines nachts dringt ein Fuchsdämon in die Wohnung der beiden ein und nimmt Besitz von der Katze. Kann die Maus der neu erwachsenen Gefahr entkommen?

Der Film spielt gekonnt mit dem uralten Animationsthema des Katz- und Mausspiels und gibt Gedankenanstösse zu den Gegensätzen Freund/Feind und Vertrauen/Vorsicht.

„Komaneko, home alone“ zeigt einen kleinen Bären, der in einer stürmischen Nacht alleine zu Hause ist und sich fürchtet.

Die liebevoll gemachte Puppenanimation zeugt von grossem Können und lässt verdutzt aufhorchen, bis der Abspann und die grosse Anzahl an Geldgebern und kreativ Beteiligten, die diesen Film unterstützt und gemacht haben gesehen wird. Verglichen mit anderen Puppenanimationsfilmen ist die Liste der an diesem japanischen Film beteiligten Personen um einiges länger und macht das erhöhte Mass an Qualität leicht verständlich.

„Unthink pink“ zeigt ein kleines Mädchen, das keine Puppe haben, sondern gemeinsam mit ihrem Bruder mit Modellflugzeugen spielen will, woraufhin sie kurzerhand ein Flugzeug aus ihrer Puppe bastelt.

Der Schwerpunkt des Kurzfilms liegt auf der Freundschaft zwischen dem Mädchen und ihrem Bruder und verlagert das emanzipatorische Thema dankbar in eine gemässigte Richtung.

„Snowflake“ ist ein russischer Film, der einen kleinen afrikanischen Jungen zeigt, der möchte, dass es in Afrika schneit. Dass sich daraufhin alle Tiere erkälten und seinen roten Schal stibitzen, hatte er freilich nicht erwartet.

Ein verspielter, leichtfüssiger Film, der von Anfang bis Ende alles richtig macht und sehr angenehm zu sehen ist.

„Richy’s Ride“ punktet mit den ausdrucksvollen Augenpartien seiner Protagonisten – des Vaters und des Sohnes, die ein kaputtes Spielauto vor dem Supermarkt durch einen Einkaufswagen ersetzen.

„Hedgehogs and the City“ ist eine Stoffpuppenanimation. Der Titel erinnert zwar an „Sex and the City“, die Geschichte hat jedoch rein gar nichts damit zu tun. Es geht um einen Wald, der gerodet wird, und dessen Tiere, die daraufhin in der Stadt zu überleben lernen, bis sie schlussendlich gerissen genug sind, um die Kontrolle über das Schicksal der Stadt komplett und ohne Widerstand der Menschen übernehmen zu können.

Der geschäftstüchtige Anführer der Tiere ist entgegen gängigen Erwartungen ein Igel, der als Einziger Tierklischees nicht folgt. Das Wildschwein, das die Erde umpflügt, der Waschbär, der Toiletten putzt, und der Fuchs, der sich als Pelz für eine Nacht anbietet, spielen alle mit diesen Tieren anhaftenden Wortattributen.

Ein hübsch gemachter Film mit eindeutiger Botschaft.

„Stick“ wurde höchstwahrscheinlich dem verstorbenen Hund des Filmemachers gewidmet. Die gesamte turbulente, mit Slapstick gespickte Geschichte ist nämlich gefüllt mit Gefühlen der Zuneigung für den Hauptprotagonisten, den Hund, der sich mit Sekundenkleber an den Rücken seines Herrchens klebt, um für immer bei ihm bleiben zu können.

Die turbulente Geschichte macht die ungelenke Animation wett.

„Moon“ zeigt ein einsames Strichmännchen bei dem Versuch mit einem selbstgebauten UFO zum Mond zu fliegen, um dort einen Freund zu finden. Denn auf dem Mond gibt es haufenweise Freunde – behauptet zumindest der Lieblingscomic des Protagonisten. Das Unterfangen scheitert daran, dass das Stromkabel nicht bis zum Mond reicht.

Ich fand die Geschichte ganz lustig; ein kleiner Junge im Publikum wurde jedoch von ihr zu lautem Weinen verleitet. Vielleicht hat ihn die Szene nach dem Abspann getröstet: Dort hält das Strichmännchen – bereit für den nächsten Versuch – eine Packung Batterien in der Hand.

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3

After School Midnighters

 

„After School Midnighters“ ist ein japanischer Langfilm, der zu viele Drogen geschluckt hat. Dieses Gefühl bekommt man auf jeden Fall, während man dem Skelett und dem anatomischen Modell einer Schule folgt auf ihrer Wahnsinnsjagd durch die nächtlichen Schulkorridore auf der Suche nach drei Medaillons, die Wünsche erfüllen können. Drei kleine Mädchen im Vorschulalter helfen ihnen dabei.

Die Geschichte mag soweit ganz interessant klingen, doch beschränkt sie sich auf oft gesehene Stereotype japanischer Schulhorrorfilme. Die Charaktere sind eindimensional, ihre Handlungen vorhersehbar. Die pausenlosen Versuche, Humor in den Filmkuchen zu mischen, gelingen nur selten. Zu brachial, zu plump sind die humoristischen Einlagen.

Sucht der Zuschauer jedoch einzig und allein eine massenhafte Ansammlung von visuellen Impulsen, ist er bei diesem Film genau richtig. Vier verschiedene Animationsstile werden vermischt: Motion Action und drei verschiedene Arten der Computeranimation. Nicht immer überzeugt diese Mischung. Dafür sorgt sie für ständig gefütterte Augen.

Ein Augenmerk möchte ich auf Chabris, die böse Fliege, die vierzig Jahre lang in einer Toilette eingesperrt war und nun auf Rache sinnt, richten. So winzig, wie sie ist, so faszinierend gut wurde sie animiert. Ihre Wut und ihr Rachedurst sind durch jede sich bewegende Stoppel ihres Körpers spürbar.

Eine Augenweide sind auch die Phantomschwestern im Computerraum, die ihre Körper abwechselnd als Rauchgeschwade oder durchsichtige Kuben sichtbar machen.

Die Schauspieler, die die Motion Action für das Skelett und das anatomische Modell geliefert haben, haben sehr gute Arbeit geleistet. Ihre tänzerischen Bewegungen sind eine Augenweide.

Bis zu guter letzt geht die Geschichte um die nächtlichen Abenteuer der Helden zwar auf – und bringt sogar einen unvorhersehbaren Twist mit sich, als der wahre Besitzer der Fliegenklatsche gefunden wird, und der Grund welshalb er so hartnäckig auf der Suche danach war, aufgelöst wird – kommt dennoch nicht über den Grad eines wilden Mixes von Themen, Erzählstilen, Animationsarten und kulturellen Klischees hinaus. Man denke nur an die sizilianischen Mafia-Hasen, den Flug des anatomischen Modells über das Dach der Schule, der verdächtig nah an amerikanischen Superheldendarstellungen liegt, oder den an alte griechische Dramen erinnernden Plottwist mit der Fliege.

Dennoch hat es dieser Potpourri geschafft, alle seine Elemente in einem einzigen Machwerk zusammenzubringen und so zu verbinden, dass sie als zusammengehörig akzeptiert werden.

Der Zuschauer verlässt den Kinosaal mit dem Gefühl ein Erstlingswerk von gerade der Filmschule entsprungenen Filmemachern gesehen zu haben, in das alles hineingepackt wurde, was besagte Filmemacher in den letzten Jahren gelernt haben. Dem ist aber keineswegs so. Der Regisseur des Films, Hitoshi Takekiyo, arbeitet schon seit Jahren in diesem Medium und ist ein Meister sowohl analoger, als auch digitaler Animation. Seinen eigenen Worten zufolge wollte er einen Film machen, der sowohl von westlichen, als auch von östlichen Zuschauern verstanden und als gut und lustig empfunden wird. Wahrscheinlich hat er deshalb alles hineingepackt, das ihm in den Sinn gekommen ist. Leider hat er es damit etwas zu gut gemeint.

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4

Rio 2096: Uma História de Amor e Fúria

 

„Rio 2096: Uma História de Amor e Fúria“ begleitet den Helden durch sechshundert Jahre der Geschichte Brasiliens, auf der Suche nach Frieden für sein Volk. Immer wieder trifft er auf seine grosse Liebe Janaína, die zwar nicht wie er unsterblich ist, aber in regelmässigen Abständen wiedergeboren wird.

Wo der Protagonist nach mehreren hunderten von Jahren erfolglosen Kampfes gegen die Unterdrücker seines Volkes langsam aber sicher müde wird und droht aufzugeben, geht Janaína mit ungebrochenem Elan an dieselbe Aufgabe heran und stärkt ihren Geliebten dadurch, nicht aufzugeben. Selbstverständlich ist sie dazu nur fähig, da sie keine Erinnerung an frühere Leben hat.

Der Film ist ein Lehrstück über die Geschichte Brasiliens von seinen Anfängen, als europäische Eroberer das Land gewaltsam an sich rissen, bis in eine fiktive Zukunft, in der Wasser nur durch Sonderprivilegien erhalten werden kann.

Die Grundmoral des Werkes ist es, dass jeder Mensch die Geschichte seines Volkes kennen muss, da nur so vermieden werden kann, dass dieselben Fehler wieder und wieder gemacht werden. Denn der Held steht immer auf der Seite der Verlierer und macht wie in einer endlosen Schlaufe dieselbe Situation immer und immer wieder durch und findet einfach keine gute Lösung dafür, da der Rest der Beteiligten unwissend ist und die Fehler der Vergangenheit endlos wiederholt.

Schöne, farbenprächtige Bilder und Animation machen den Film einen Genuss für die Augen. Die angenehmen und warmen Stimmen der Sprecher füllen die Figuren mit Emotionen, die durch exszellentes Sounddesign und Musik unterstützt werden.

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5

A Liar’s Autobiography

 

„A Liar’s Autobiography“ ist ein filmischer Hochgenuss. 14 Animationsfilmstudios haben zusammen ein Werk geschaffen, das auf aus dem Jahre 1980 stammenden Tonaufnahmen basiert. Damals hatte Graham Chapman seine nicht immer ganz wahre Autobiografie desselben Namens eingesprochen.

Keine Minute Langeweile kommt in diesem Film auf. Auch Zuschauer, denen Chapman bislang gänzlich unbekannt war, verstehen den Film ohne grosse Kraftanstrengung und freuen sich gemeinsam mit treuen Fans über die fantastischen Erlebnisse dieses sympathischen Mannes, der, darf man seiner Autobiografie glauben, stets mit einem Lächeln auf dem Lippen, einer Pfeife im Mund und einer Flasche Gin in der Hand durchs Leben gegangen ist, die merk- und denkwürdigsten Situationen erlebt hat, und sich darüber nicht nur nicht gewundert, sondern begeistert Applaus geklatscht hat.

Jedes an diesem Langfilm beteiligte Animationsfilmstudio zeichnet sich durch einen ganz eigenen, unverkennbaren Stil aus, was dem Filmfluss jedoch keinen Abbruch tut. Ein Mal folgt man Affen, ein anderes Mal Scherenschnitten, ein drittes Mal Sigmund Freud und wird auch von grausligem Kampf Chapman gegen Chapman während seines Alkoholentzuges, das im Abreissen von Gliedmassen endet, nicht verschont. All diese dargestellten Stadien seines Lebens sind jedoch so herrlich vergnügt und meisterhaft animiert dargestellt und geizen auch nicht mit politisch unkorrekten Äusserungen und Bildsprache, dass keine einzige der Sequenzen gemisst werden möchte.


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