Rauchender Kaffeesattelwecker

Jun 01, 12 Rauchender Kaffeesattelwecker


 

 

 

 

 

 

 

Lassen Sie uns gemeinsam zur Unterführung Neuenhof gehen und den rauchenden Kaffeesattelwecker betrachten.

Die Unterführung NeuenhofSchwimmbadstrasse bei der Brücke über den Fluss Limmat, 5432 Neuenhof, Schweiz. befindet sich hier:

Gehen Sie auf http://maps.google.ch/ und geben Sie im Suchfeld die Koordinaten 47.455795,8.319477 ein. Dort können Sie sich die Umgebung in Seelenruhe anschauen. Leider bietet Google Maps nur Bilder von mit dem Auto befahrbaren Orten an. Die Unterführung Neuenhof befindet sich genau unter der Schwimmbadstrasse und ist auf Google Maps nicht besuchbar.

Hier sind ein paar Impressionen vom rauchenden Kaffeesattelwecker:

Aufgenommen am 22.04.2012

Aufgenommen am 22.04.2012

Wie Sie sehen, deckt meine Namengebung Rauchender Kaffeesattelwecker nicht das gesamte Gemälde ab. Die Teile, aus denen das gemalte Objekt besteht, sind eine Kaffeemühle, ein Fahrradsattel, eine Pfeife, aus der Seifenblasen aufsteigen, eine gestreifte Krawatte, ein zerbeulter Wecker, ein pinkfarbenes Tuch und ein Holztisch. Anstelle von Ziffern finden wir auf dem Ziffernblatt des Weckers Buchstaben, die das Wort Notechromeo ergeben. Oder Oemorhceton, wenn wir uns entscheiden, nicht im Uhrzeiger- sondern im Gegenuhrzeigersinn zu lesen.

Der rauchende Kaffeesattelwecker  überdeckt das Buuhre Gheddo.

Aufgenommen am 26.12.2011

Buuhre Gheddo

Was das Buuhre Gheddo überdeckt hat, entzieht sich leider meiner Kenntnis.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, der rauchende Kaffeesattelwecker sei ein Stillleben. Wenn da nicht die Seifenblasen wären, die dem gesamten Bild eine unbeschreibliche Lebendigkeit einhauchen. Nicht nur suggerieren sie, dass der Sattel atmet, sondern füllen das Bild auch mit Luft, in die die Seifenblasen aufsteigen. Man spürt förmlich einen sanften Lufthauch, der das Gebilde auf dem gemalten Tisch umspielt.

Der scharfe Schatten, den das Gebilde hinter sich wirft würde normalerweise auf künstliche Beleuchtung und demzufolge eine Studiosituation hinweisen. Da das Werk sich aber im Freien befindet, akzeptiere ich viel lieber eine aufgehende Sonne als Lichtgeber, anstelle einer Studiolampe.

Während wir vor dem Bild stehen, dessen Ausmasse 660 x 670 cm sind, läuft ein alter Mann vobei. Unsere andächtigen Gesichter veranlassen ihn zu einem kurzen Gespräch.

Alter Mann: Gefällt Ihnen das?

Ich: Ja, ist schön.

Alter Mann: Ist gut gemacht.

Ich: Das stimmt. Der Künstler…

Er lässt mich nicht aussprechen und sagt, Richtung Bild gestikulierend: Der hatte gute Ideen.

Ich: Das hatte er.

Alter Mann: Auf Wiedersehen.

Ich: Auf Wiedersehen.

Gute Ideen hat der alte Mann darin also gesehen. Gerne hätte ich etwas länger mit ihm geplaudert, um Näheres herauszufinden darüber, was ihm am Bild gefällt, was nicht, wie er es versteht und was ihm verborgen bleibt. Aber da verschwindet er schon um die Ecke.

Gute Ideen… Was damit wohl gemeint war? Vielleicht die Kombination von Gegenständen, die so nicht zusammengehören? Oder die Präsentation der Einzelteile, die zusammengesetzt an einen Menschen denken lassen? An einen alten Menschen, wenn man dem zerdrückten Ziffernblatt Gewicht gibt. Pfeife und Fliege deuten auf einen alten Mann. Nur stellt sich in diesem Fall die Frage, was das violette Zeichen auf seinem Hinterteil soll. Ein durchkreuzter Kreis. Ist das so etwas wie ein Tattoo, das auf seine Jugend hindeutet? Oder wurde er hinterrücks markiert, weshalb die Farbe nicht sauber aufgetragen ist, sondern verläuft? Allerdings scheint ein feindliches Anbringen unwahrscheinlich, wenn man beachtet, dass sowohl die Krawatte, als auch der Knauf der Kaffeemühle in derselben violetten Farbe wie das Zeichen gehalten sind. Dinge, die der Kaffeesattel bewusst bei sich trägt. Vielleicht trägt er also auch das Zeichen bewusst bei sich.

Nach diesem Versuch einer Interpretation der Worte des alten Mannes drehen Sie sich doch bitte für eine Weile um und lauschen dem Gurgeln des Baches, der ganz in der Nähe durchfliesst, bis Sie Ihre Sinne ganz von den Eindrücken geleert haben, mit denen wir sie gerade gefüllt haben.

Nun drehen Sie sich wieder zum Bild und schauen erneut. Wieso wurden genau diejenigen Dinge gemalt, die wir sehen?

Die Tischdecke könnte gemalt worden sein, um Faltenwurf zu üben. Der Schatten könnte gemalt worden sein, um exaktes Kopieren der Silhouette zu üben. Das Ziffernblatt könnte zerdrückt sein, um Verzerrungen der Schrift zu üben. Die Seifenblasen könnten gemalt worden sein, um Durchsichtigkeit und Lichtspiegelung auf rundlichen Objekten zu üben. Der Fahrradsattel ist eine wunderbare Spielwiese für Farben, die ineinander übergehen. Der Wecker zeigt Kanten, Rundungen und Spiegelungen. Der Kaffee, der wie durch Zauberhand nicht zu Boden fällt, führt uns leichtfüssig in eine Fabelwelt; und der Tisch, von dem man nur wenig sieht, lässt das Gebilde aus der Gischt aufsteigen, die vom geteerten Boden dargestellt wird.

Am gesamten Bild ist Menschenhand sehr deutlich spürbar. Doch wessen Hand?

Einen Hinweis finden wir im Ziffernblatt: Notechromeo. Note und Chromeo sind die Künstlernamen von Claude Lüthi und David Kümin. Eine Gemeinschaftsarbeit also. Wer wohl was gemacht hat?

Lassen Sie uns zuzuordnen versuchen, wem was zuzuschreiben ist. Wahrscheinlich werden wir uns mehr irren, als alles andere, aber es soll ja auch nur ein Spiel sein.

Konzept des zusammengesetzten Gegenstandes: Note. Da er bereits eine Serie von Instrumente spielenden Mischwesen hergestellt hat. Weitere Hybride liegen also nicht fern.

Kaffeemühle: Note. Wegen dem Schattenwurf und dem Ineinanderübergehen der Farben.

Fahrradsattel: Note. Schattenwurf und Ineinanderübergehen der Farben.

Pfeife mit Seifenblasen: Note. Schattenwurf und Ineinanderübergehen der Farben.

Wecker: Chromeo. Da er zum einen bereits ineinandergreifende Zahnräder einer Uhr gemalt hat. Die Ausführungen der Zahnräder und des Weckers sind jedoch etwas unterschiedlich. Zum anderen scheinen mir Lichtgebung und Schattenspiel mehr auf Chromeo als auf Note hinzudeuten.

Ziffernblatt: Note.

Krawatte: Chromeo. Wegen der Schraffierung.

Violettes Zeichen: Chromeo.

Schatten hinten an der Wand: Chromeo.

Tischtuch: Note. Ausgeprägter Faltenwurf ist in Notes Arbeiten häufig zu finden. Ausserdem lässt mich die Farbe eher an Note als an Chromeo denken.

Tisch: Note.

Sind Sie mit diesen Zuordnungen einverstanden? Ob wir wohl Recht damit haben? Wir können ja mal nachfragen. Vielleicht bekommen wir eine Antwort.

Ich habe mich sehr gefreut gemeinsam mit Ihnen den rauchenden Kaffeesattelwecker betrachtet zu haben und hoffe, dass Sie die Gelegenheit haben werden, ihn sich auch im Original anzuschauen. Allzu lange sollten Sie nicht warten, bis Sie ihn aufsuchen, denn ein Übermalen ist jederzeit möglich.

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  1. tagebuch | - [...] auf dem blog kunstalker.ch der kunsthistorikerin elena richter wird gerade die letzte kollaboration von claude “note” lüthi und mir …

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