Die rückwärts blickende Kuh

Jun 07, 12 Die rückwärts blickende Kuh

 

 

 

 

 

 

 

Lassen Sie uns gemeinsam nach Zürich ins Restaurant Zum alten Löwen gehen und Die rückwärts blickende Kuh betrachten.

Geben Sie in Google Maps die Koordinaten 47.385011,8.548179 ein, landen Sie genau beim Restaurant Zum alten LöwenRestaurant zum alten Löwen, Universitätstrasse 111, 8006 Zürich, Schweiz..

Das ist die Kuh, die rückwärts blicktRückwärts blickende Kuh ist nicht der offizielle Name dieses Gemäldes, sondern derjenige, den ich ihm gegeben habe. 140 x 140 cm. Öl auf Leinwand..

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Obwohl sie nicht auf einer Wiese steht, braucht sie auch nicht lange zu suchen, denn im Nebenraum befindet sich die weitläufigste Blumenwiese
Blumenwiese ist nicht der offizielle Name dieses Gemäldes, sondern derjenige, den ich ihm gegeben habe. 110 x 180 cm. Öl auf Leinwand.
, die sich eine Kuh wünschen kann.

Beide Gemälde wurden gemalt von Ueli Lüthi und als Leihgaben dem Wirteehepaar des alten Löwen, Robert Burri und Maria Lutz, zur Verfügung gestellt.

„Ungefähr zehntausend Franken.“, beantwortet Maria Lutz die Frage eines Gastes nach dem Preis der Blumenwiese.

Zehn Tausend? Ich wollte gerade gedanklich durch die Blumenwiese streifen, als mich die Summe erschrocken zurück ins Restaurant hüpfen lässt. Bei diesem grossen Geldbetrag wage ich es nicht mehr meine Füsse auf die Wiese zu setzen. Was wenn ich eine der gemalten Blumen umknickte? Wieviele Tausend ich da wohl auf dem Gewissen hätte?

Nein, da gehe ich lieber zur Kuh, die mich sowieso von Beginn weg stärker in ihren Bann gezogen hat, als die Blumenwiese. Sanft blickt die Kuh mich an und fragt mich nach ihrer Umgebung. Kann ich ihr sagen, was sie umgibt?

Ein Restaurant umgibt dich, liebe Kuh. Ein Restaurant, das die Geselligkeit seiner Gäste aktiv fördert, indem es als Hauptattraktion Tavolata anbietet – drei Gänge herrlichster Speisen, die in die Mitte des Tisches gestellt werden, so dass sich alle bedienen können bei dem, was sie am meisten anlacht… oder am besten gleich bei allem.

Die Kuh schüttelt lächelnd ihren Kopf. Nein, das hatte sie gar nicht gemeint. Natürlich war ihr aufgefallen, dass sie in einem Restaurant hängt. Sie hatte ja bereits mehrere Wochen Zeit gehabt sich umzuschauen. War mir ihr in den Raum gerichteter Blick denn nicht aufgefallen?

Ihre Frage nach ihrer Umgebung hatte nicht dem Gebäude gegolten, in dem sie sich befindet, sondern dem Dunkel des Gemäldes, das sie umgibt. Wo befindet sie sich? In der Dunkelheit? In der Nacht? Auf einer Wiese? Mit Boden unter den Füssen? Oder in luftleerem Raum? Schwebt sie? Steht sie? Wo soll sie hingehen, wenn sie nicht sieht, was vor ihr liegt? Soll sie…

Schon gut, ich habe ja verstanden. Du willst philosophische Gespräche über deine Welt innerhalb der Leinwand führen, liebe Kuh.

Da kann ich dir leider nicht gross weiter helfen. Wenn du wissen willst, was das Wesen deiner Welt ist, musst du deinen Erschaffer, Ueli Lüthi, fragen.

Du könntest natürlich auch die Gäste des Restaurants fragen, doch die meisten sind mit Essen beschäftigt… oder mit dem Studieren der reichen Weinkarte.

Was ich dir anbieten kann, liebe Kuh, ist zwar keine Antwort auf deine Frage, aber ein Kompliment. Deine Pose ist nämlich ziemlich wagemutig. Immerhin zeigst du dem Betrachter dein Hinterteil. Dennoch fühle ich mich als Betrachter weder beleidigt, noch empfinde ich dich als plump und unverschämt. Nein, ich finde dich dermassen vorteilhaft gemalt und auf der Leinwand positioniert, dass dir eine gewisse Erhabenheit zuteil wird.

Die gesetzten Farben der Leinwand sind perfekt aufeinander abgestimmt und verdichten sich in dir, Kuh, zu einer in stiller Dunkelheit leuchtenden Lichtansammlung, die tierische Form annimmt, bis sie durch gemalte Augen gerichtet in den Raum hinein strahlt und den Gästen nicht nur unaufdringlich guten Appetit wünscht, sondern auch ganz selbstverständlich über die Speisen wacht, als Schutzpatron sozusagen.

Schlussendlich würde ich also sagen, liebe Kuh, umgibt dich nichts, weder Nacht noch Dunkelheit, noch etwaige hineingedachte Landschaft, da du selbst ein Teil der Leinwanddunkelheit bist. Fliessend geht die unbestimmte Dunkelheit der Leinwand in dich über, die du das Dunkel in heller Form bist.

Erneut lächelt die Kuh und schüttelt sanft den Kopf. Was das wohl wieder bedeuten mag? Ich weiss es nicht. Aber man soll ja auch nicht versuchen wollen Licht gewordene Dunkelheit zu verstehen.

Verzeihen Sie, dass ich Sie vernachlässigt habe. Ich habe mich etwas im Zwiegespräch mit der Kuh verloren. Ich hoffe, Sie konnten mir folgen und meine Empfindungen und Gedankengänge nachvollziehen. Wenn Sie möchten, könnten wir als Abschluss ein paar Fragen an das Wirteehepaar richten, die Kunstwerke betreffend, die sie momentan beherbergen.

Was sie wohl von unseren Ausführungen halten? Ob sie mit uns übereinstimmen? Oder empfinden sie die Kuh ganz anders? Mal sehen, ob wir eine Antwort bekommen.

Auch an den Künstler Ueli Lüthi könnten wir ein paar Fragen richten.

Ich werde sehen, was sich machen lässt, und Ihnen etwaige Antworten hier präsentieren.

Nun lasse ich Sie in Ruhe Ihr Mahl beenden und freue mich, bald wieder gemeinsam mit Ihnen ein Kunstwerk zu betrachten.

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