Graffiti

Mrz 09, 12 Graffiti


 

 

 

 

 

 

 

 

Das folgende Gespräch hat in dieser Form nie stattgefunden. Die Aussagen der beteiligten Personen wurden wörtlich oder sinngemäss aus ihren VeröffentlichungenVeröffentlichungen, auf die ich mich gestützt habe:
Bellis, Mary: The History of Aerosol Spray Cans (03.01.2012)
Castleman, Craig: Getting up, Subway Graffiti in New York, Cambridge, Mass: The MIT Press 1982.
Reisner, Robert: Graffiti – Two Thousand Years of Wall Writing, Chicago 1971.
Siegl, Norbert (07.12.2011)
entnommen und in eine in das Gespräche passende Form gebracht. Robert Reisner ist der Autor des Buches Graffiti – Two Thousand Years of Wall Writing, Craig Castleman ist der Autor des Buches Getting up, Subway Graffiti in New York, Mary Bellis ist die Autorin des Artikels The History of Aerosol Spray Cans, Norbert Siegl ist Mitträger des ifg. Kurt Selen, Jan Dem und Andrea Djemsen sind fiktive Personen.


Ich habe eine Frage: Was ist Graffiti?

„Das da?“, fragt die ältere Dame und deutet empört auf die tags an der Hauswand ihres Wohnhauses „Das haben freche Kinder auf unsere Wand geschmiert. Das müssen Sie nicht fotografieren!“

Rumänien, Bukarest, Strada General Andrei Popovici, aufgenommen am 16.10.2011

„Entschuldigen Sie vielmal.“, beschwichtige ich sie, „Ich mache eine Studie zu Graffiti. Einige davon haben durchaus einen künstlerischen Wert.“

Die Dame ist erstaunt: „Künstlerischer Wert?“, murmelt sie ungläubig und verschwindet im Haus.

Einen Tag später möchte ich Graffiti neben einer Baustelle fotografieren. Sofort kommt Sicherheitspersonal angerannt: „Sie dürfen hier nicht fotografieren!“

„Aber ich fotografiere gar nichts von der Baustelle. Ich interessiere mich nur für die Graffiti. Schauen Sie.“

Rumänien, Bukarest, Innenhof in Nähe Piața Universității, aufgenommen am 17.10.2011

Wieder ernte ich erstaunte Blicke. Graffiti? Was will ich denn damit?

Ich will sie mir anschauen. So lange, bis ich die Guten von den Schlechten unterscheiden kann und bis ich weiss, wie sie einzuordnen sind. Was ist Graffiti?

„Graffiti beginnen in der Steinzeit.“, erklärt Robert Reisner.

„Steinzeit!!??“, ich bin begeistert, „Der Homo Sapiens hatte Sprühdosen?“

„Nein, hatte er nicht.“, meldet sich Mary Bellis kopfschüttelnd zu Wort, „Die Sprühdose gibt’s erst seit ungefähr hundert Jahren.“

„Ach, die haben gar keine wild-style-SchriftzügeEs gibt eine grosse Anzahl von Graffiti-styles. Die Bezeichnungen sind nicht immer ganz klar und die Übergänge zwischen den styles sind fliessend. Es gibt u.a. wild style, 3D style, bubble style u.v.m. Die gerade genannten styles gehören zu denjenigen, die international bekannt sind, oft kopiert und weiterentwickelt wurden. Das Ziel jedes writers ist es jedoch einen eigenen style zu entwickeln, anhand dessen seine Werke von anderen writern zweifelsfrei ihm zugeordnet werden können. an die Höhlenwände gesprüht?“ Ich bin enttäuscht.

„Nein, haben sie nicht.“

„Was haben sie dann gemacht?“

„Alles Mögliche.“, fährt Reisner fort zu erklären, „Zum Beispiel haben sie mit Hilfe von Steinen simple Kritzeleien auf den Wänden hinterlassen. Oder sie haben ihre Finger in feuchten Lehm getunkt und Wellenlinien auf die Wände gemalt. Manche haben diese Wellenlinien noch verziert. Was sie auch gemacht haben, sind Handabdrücke. Sie haben also die Hände an die Wände gehalten und mit Farbe umrandet. Als Farbe haben sie roten Ocker, weisse Kreide, Braunstein gemischt mit Kohle (das gab ein kräftiges Schwarz), Blut und Eiweiss benutzt. Mit Blut und Eiweiss haben sie ihre Malereien fixiert. Deshalb sind sie bis heute noch dort.“

„Naja, sicher haben all diese Malereien auch bis heute überlebt, weil sie in Höhlen gemalt worden sind, und so vor Wind und Wetter geschützt waren.“

„Das ist richtig. Später wurden auch Tiere abgebildet. In Frankreich, in der Höhle von Lascaux zum Beispiel hat man Abbildungen von Wisenten und Hirschen gefunden… Und sogar ein Einhorn.“

Da muss ich doch gleich mal protestieren: „Einhörner gibt’s nicht.“

Kurt Selen lacht: „Das ist noch lange kein Grund, sie nicht abzubilden.“

Reisner: „Weitere berühmte Höhlen finden sich in Spanien, Frankreich, Italien und den Pyrenäen. Da sind unter anderem Les Comballes, Font de Gaume, Niaux, Les Trois Frêres, Gargas,…“

Während er weiter begeistert aufzählt, schweife ich mit den Gedanken ab und stelle mir all die Höhlenmalereien vor.

Picasso soll scheinbar nach der Besichtigung einer dieser Höhlen gesagt haben: „Wir haben nichts neues gelernt.“

„Stimmt das?“, wende ich mich an Selen, „Hat Picasso wirklich gesagt, dass wir seit den Höhlenmalereien keinen Fortschritt gemacht haben in der Kunst?“

Reisner hält in seiner Aufzählung inne und horcht auf: „Picasso? Hast du gerade gefragt, was Picasso mit Graffiti zu tun hat?“

Ich: „Ähm… Nein…“

Reisner: „Da kann ich dir was dazu erzählen. Es gab einen französischen FotografenGeboren wurde Brassaï 1899 als Gyula Halász in Kronstadt/Brassó (heute Brașov), Transsilvanien (damals Ungarn, heute Rumänien). Von seinem Geburtsort Brassó leitete er seinen Künstlernamen Brassaï ab., der die Graffiti an pariser Wänden fotografiert hat. Sein Name ist Brassaï. Der hat Picasso seine Graffiti-Fotos gezeigt und mit ihm darüber diskutiert. Picasso soll ganz begeistert gewesen sein von Graffiti. Sie seien so voller Leben. Als Jüngling habe er Graffiti sogar kopiert und sei bis zu dem Punkt gekommen, wo er selber den Drang verspürt habe, der Wand mitzuteilen, was auch immer durch seinen Kopf ging.“

Jan Dem fällt ihm ins Wort: „Warte mal kurz. Das war jetzt gerade ein gewaltiger Sprung. Ich weiss nicht, ob sie das nicht verwirrt, wenn du auf einmal von einer ganz anderen Art von Graffiti sprichst. Wir haben gerade noch von Höhlenmalereien gesprochen. Das hier ist etwa ganz anderes.“

Reisner: „Das stimmt. Picasso meint natürlich weder Höhlenmalerei, noch gesprayte Graffiti, sondern geritzte oder geschriebene Kommentare, wie „Romeo liebt Julia“, „Politik stinkt“ oder „Ich bin der Beste“, dann lächelt er verschmitzt, „Das Gespräch zwischen Picasso und Brassai ist übrigens so weit gegangen, dass sie die Phallusabbildungen der verschiedenen Länder diskutiert haben. Anscheinend sollen die Phallusse auf den Wänden Roms eindeutig italienisch, diejenigen auf pariser Wänden eindeutig französisch und diejenigen auf spanischen Wänden eindeutig spanisch sein.“

Für einen Moment sind wir alle still und lächeln verschämt. Wahrscheinlich fragen wir uns alle gerade, woher Picasso das so genau wusste. Wieviele spanische, italienische und französische männliche Glieder hat er wohl mit eigenen Augen gesehen?

Reisner räuspert sich: „Auf jeden Fall. Zurück zum Thema. Wir waren gerade in der Jungsteinzeit, bei den Abbildungen von Büffeln und Hirschen.“

„Genau.“, ich hebe die Hand, „Da wollte ich doch fragen: Wieso genau haben sie all diese Tiere auf die Wände gemalt?“

„Dazu gibt es mehrere Theorien: Viele Wissenschaftler nehmen an, dass das eine Art Jagdzauber war. Dadurch, dass sie die Tiere in Bildern einfingen, hofften sie, dass sie sie auch in Wirklichkeit besser würden einfangen können.“

„Macht Sinn. Denn um ein Tier so wirklichkeitsgetreu wie möglich abbilden zu können, muss man es lange beobachten. Dadurch lernt man es natürlich gleichzeitig in- und auswendig kennen und weiss, wie es sich in allen möglichen Situationen verhält. So ist man ihm immer einen Schritt voraus und kann es leichter jagen.“

Jan: „Wahrscheinlich haben diese Malereien aber auch als Lehrbücher gedient. Am gemalten Tier konnte man den Kindern zeigen, wo man das Tier treffen muss, um es zu erlegen. Ich nehme an, deshalb hatten auch einige der gemalten Tiere Pfeile und dergleichen in ihren Körpern.“

Andrea Djemsen: „Das muss aber nicht unbedingt als Schulung gedient haben. Vielleicht haben sie so auch bloss von ihren heldenhaften Jagden erzählt und ausgeschmückt, wie sie das Tier mit ihren Waffen erlegt haben.“

Reisner: „Theorien gibt’s viele. Wahrscheinlich stimmen alle. Man muss einfach von Bild zu Bild sehen, was gerade zutrifft.
Nach den realistischen Abbildungen der Tiere und Menschen wurden die Zeichungen immer abstrakter. Symbole mischten sich immer mehr unter sie, bis schlussendlich der Grundstein für Schrift gelegt war.“

Ich horche auf: „Schrift? Was hat denn das noch mit Graffiti zu tun?“

Alle schauen mich erstaunt an: „Wieso sollen Graffiti und Schrift nichts miteinander zu tun haben?“

„Na weil man überall und auf alles schreiben kann. Holz, Sand, Wachs, angehauchte Fensterscheibe, Papier, Computer… Dann wäre also alles, was der Mensch jemals geschrieben hat, Graffiti?“, ich überlege einen Moment, „Und ausserdem, wenn Höhlenmalereien Graffiti sind, dann wäre alles, was der Mensch jemals gemalt hat, Graffiti? Dann ist also ALLES Graffiti?“

Jan: „Nein, ist es nicht. Nur weil es Beziehungen zwischen Höhlenmalerei und dem, was wir heute Graffiti nennen, gibt, heisst es noch lange nicht, dass sie ein und dasselbe sind. Was Höhlenmalerei und heutige Graffiti hauptsächlich verbindet, ist der Untergrund, auf dem sie angebracht sind: Die Wand.“

Ich: „Wenn das die einzige Verbindung ist, dann wackelt das Ganze aber. An Wänden hängen nämlich auch Büchergestelle und Ahnenbilder. Die willst du ja wohl nicht als Graffiti bezeichnen?“

Jan: „Nein, die sind ja aber auch nicht direkt auf die Wand aufgetragen worden.“

StrickgraffitiStrickgraffiti ist eine Bewegung, die nach Angaben des Buches Yarn bombing. The art of crochet and knit graffiti (Von Mandy Moore, Leanne Prain. Arsenal Pulp Press, Vancouver 2009) im Jahre 2005 in Houston/Texas/USA begonnen hat. Gestrickte und gestickte Objekte werden im öffentlichen Raum an Gegenständen fixiert. So gibt es gestrickte Strassenschilder, die den echten Strassenschildern übergezogen werden; gestrickte Pilze und Blumen werden im Wald verteilt; Parkbänken werden Fusswärmer gespendet; und vieles mehr. wird auch nicht direkt auf die Wand aufgetragen, sondern darübergezogen.“, antworte ich trotzig.

Jan: „Was hat denn Strickgraffiti damit zu tun?“

Ich: „Das gehört auch zu dem, was heute als Graffiti bezeichnet wird. Wenn wir schon von Graffiti reden, dann müssen wir auch alles, was dazu gehört, miteinbeziehen, finde ich.“

Jan: „Strickgraffiti steht in Bezug zu der Art Graffiti, die in der Mitte des 20. Jahrhunderts aufgekommen ist. Das hat aber nichts mehr zu tun mit den Höhlenmalereien.“

Ich: „Aber wenn die Graffiti der 1960er eine Beziehung zu den Höhlenmalereien hat, und die Strickgraffiti eine Beziehung zu den Graffiti der 60er hat, dann hat Strickgraffiti doch gleichzeitig auch eine Beziehung zu den Höhlenmalereien.“

Jan: „Wenn du so argumentieren willst, kannst du Alles auf irgend eine Weise mit Allem in Verbindung setzen. So kommen wir nicht weiter.“

Andrea: „Noch mal zurück zu dem, was du vorhin gesagt hast, dass Schrift und Graffiti nichts miteinander zu tun haben. Das stimmt noch viel weniger, als das mit den Höhlenmalereien, was ihr gerade diskutiert habt. Graffiti und Schrift sind sogar sehr stark miteinander verbunden. Die Graffiti, auf die Reisner spezialisiert ist, das heisst, all die Alltagskommentare, die Menschen auf Wänden und Klotüren hinterlassen, wären ohne Schrift undenkbar. Auch die Graffiti und Tags der 1960er bestehen hauptsächlich aus Schrift: Sie sind Namen, manchmal ergänzt durch kurze Kommentare. Viele writerWriter, oder Graffiti-writer ist einer von vielen Namen, die man in Zusammenhang mit den Autoren von Graffiti hört. So bezeichnen sich viele Personen, die Graffiti herstellen, und sich als in der Graffiti-Tradition stehend betrachten, als writer. erzählen von ihrer Faszination für Buchstaben und von ihrer Freude daran, die Buchstaben ihres gewählten Namens auf immer neue Art und Weise aufzuschreiben – auszuprobieren, wie unterschiedlich sie diese ihre Buchstaben darstellen können. Schrift und Graffiti sind also untrennbar.“

Alle Anwesenden nicken zustimmend. Auch mir leuchtet das ein, dennoch…

Ich: „Und wieso malt man dann all diese Buchstaben auf die Wand? Vor allem, weil das heutzutage ja illegal ist. Wieso schreiben die writer ihre Buchstaben auf Wände und riskieren Strafverfolgung, wenn alles, was sie interessiert, ist, die Buchstaben auf immer neue Art und Weise darzustellen? Wieso machen sie das nicht auf Papier?“

Jan: „Machen sie auch. Jeder writer hat ein blackbook, in dem er seine Fertigkeiten übt. Dieses Buch wird rumgezeigt, kritisiert und manchmal von erfahreneren writern mit deren Buchstaben signiert. Dass sie dann dazu übergehen auf die Wände zu malen und schreiben, hat andere Gründe, als die reine Beschäftigung mit den Buchstaben. Es geht um Ehre und Ruhm, um die Verschönerung der Umgebung, in der sie wohnen, und dergleichen. Nervenkitzel spielt natürlich auch eine grosse Rolle, weil ja alles illegal geschieht.“

Ich: „Mag ja sein. Aber Illegalität kann nicht als Merkmal für Graffiti herhalten. Es gibt ja auch sehr viele legale Malerei auf Wände, die dennoch als Graffiti bezeichnet wird. Auch die Wand ist kein hundertprozentiges Merkmal. Gibt es nicht auch reichlich als Graffiti bezeichnete Malerei auf Leinwand, oder sogar rein virtuell im Computer?“

Norbert Siegl, der sich bisher noch nicht zu Wort gemeldet hat, hebt an: „Meine Definition von Graffiti ist folgende: Graffiti (Einzahl Graffito) ist ein Oberbegriff für viele thematisch und gestalterisch unterschiedliche Erscheinungsformen. Die Gemeinsamkeit besteht darin, dass es sich um visuell wahrnehmbare Elemente handelt, welche „ungefragt“ und meist anonym, von Einzelpersonen oder Gruppen auf fremden oder in öffentlicher Verwaltung befindlichen Oberflächen angebracht werden. „

Für einen Moment herrscht Stille in unserer Runde, während alle versuchen zu verstehen, was uns da gesagt wurde. Um ein Graffiti zu sein, muss man sich also auf einer Oberfläche befinden. Die Oberfläche darf nicht dem Erschaffer des Graffiti gehören. Ein Spraybild im Schlafzimmer meines Kindes, wie dieses hier, ist also kein Graffiti?

Mit freundlicher Erlaubnis von Claude Lüthi (http://www.claudeluethi.ch/de/note-art.html#)

Weiter wurde das Graffiti ungefragt angebracht. Auftragsarbeiten, wie diese hier, sind also auch keine Graffiti?

Rumänien, Bukarest, Calea Floreasca, Autowerkstatt, aufgenommen am 18.10.2011

Mit freundlicher Erlaubnis von Claude Lüthi (Schweiz, Ebikon, Unterführung Weichlen (Detail), Wandgestaltung für Gemeinde Ebikon in Luzern. http://www.claudeluethi.ch/de/note-art.html#)

Graffiti müssen visuell wahrnehmbar sein, d.h. man muss sie sehen können. Demzufolge gibt es zum Beispiel keine Klanggraffiti. Wie lange müssen solche Graffiti denn sichtbar sein? Seit nicht allzu langer Zeit gibt es nämlich eine Kunstform, die sich Lichtgraffiti nennt. Die entstandenen Werke kann man nur auf den jeweiligen Fotos, nicht aber am Ort ihrer Entstehung sehen. Ausserdem befinden sich die Lichtgraffiti nicht auf einer Oberfläche, sondern in der Luft und werden fotografisch festgehalten. Die Luft, auf die sie „gemalt“ werden, muss sich auch nicht unbedingt im öffentlichen Raum befinden, sondern kann genau so gut die Luft in meiner Küche sein. Allerdings schwankt der Name dieser Kunstform noch zwischen Lichtgraffiti und Lichtkunst hin- und her. Vielleicht kristallisiert sich irgendwann heraus, dass Graffiti hierfür das falsche Wort ist. Das Wort Graffiti wird sowieso viel zu einfach allem möglichen verliehen. Wenn es „jung“ ist und es noch kein Wort dafür gibt, ist es eben eine neue Form von Graffiti. Das ist doch absolut…

Auf einmal platze ich heraus: „Ich weiss: Das Wort Graffiti ist falsch gewählt!“

Die anderen, aus ihren Überlegungen gerissen, schauen mich perplex an. Falsch?

Ich krebse zurück: „Oder besser: Zu viel wird mit demselben Begriff bedacht, was gar nicht so furchtbar viel miteinander zu tun hat.“

Siegl: „Das ist gut möglich. Wenn wir nämlich den Ursprung des Wortes Graffiti suchen, dann finden wir das griechische Wort graphein, was schreiben heisst. Im italienischen Sprachraum gibt es das Wort sgraffiare, was kratzen heisst.“

Jan: „Das Hauptgewicht liegt also auf Schrift und Kratzen. Die Mauer als Untergrund hat nur scheinbar Gewicht. Wenn man genau schaut, dann ist beim Sgraffito nicht die Mauer wichtig, sondern der auf die Mauer aufgetragene Putz. Der Sgraffito-Maler kratzt also nicht direkt auf die Mauer. Und dass die Inschriften auf den Megalythen und dergleichen in Stein gekratzt wurden, liegt daran, dass Stein nun mal lange hält und nicht so leicht kaputt geht. Aber ich denke nicht, dass der Stein an sich eine besondere Bedeutung als Unterlage hat. Es hätte auch etwas anderes Hartes sein können, was leicht zu finden und in Massen vorhanden ist. Erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts wird Graffiti eng an Stein gebunden.“

Andrea: „Das stimmt nicht. Das mit dem Stein, das heisst der Wand, ist noch viel jünger. In den 60ern wurde reichlich auf Züge und dergleichen gemalt. Und die sind ja weiss Gott nicht aus Stein. Diese Diskussion, dass Graffiti auf die Wand gehört, weil es sonst kein echtes Graffiti mehr ist, gibt es also noch gar nicht so lang.“

Ich: „Was war das mit den Megalythen?“

Jan: „Na wenn wir von Graffiti, von Höhlenmalerei, von Kratzen in Stein und so weiter reden, müssen wir auch die Inschriften auf Megalythen wie z.B. denjenigen von Stonehenge mit einbeziehen. Es gibt auch noch viele andere graffitiähnliche Sachen, wie die ägyptischen Hieroglyphen, die Reliefmalerei der Hittiten, die äusserst komplexen und stilisierten Hieroglyphen der Mayas, Azteken und Inkas, all die noch wunderbar erhaltenen Inschriften von Pompeii, die christliche Epigraphik, die in Katakomben gefunden wurde, die heidnischen Runen und so weiter und so fort.“

Meine Ohren summen. Was? Zu viel Aufzählung. Aber um nicht ganz stumm dazusitzen, witzel ich: „Ich glaube, da fehlt was in der Aufzählung.“

„Und was?“

„Das Menetekel des alten Testaments. Und ausserdem“, jetzt gebe ich Vollgas, „Die zehn Gebote, die Moses vom Berg runtergebracht hat. Die wurden auch eingraviert in Stein.“

Ich hatte erwartet, dass die anderen jetzt sauer werden. Aber das Gegenteil ist der Fall. Nachdenklich nicken sie mit den Köpfen und Reisner merkt sogar an: „Das stimmt. Ich finde auch, dass man sogar die Inschrift auf Grabsteinen zu den Graffiti zählen sollte.“

„Du findest ja auch, dass die Kritzeleien auf den Wänden von öffentlichen Klos Graffiti sind.“, murmelt Kurt Selen in seinen Bart.

„Ich finde das nicht nur,“, verteidigt sich Reisner, „sondern ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass ein echtes Graffiti nicht nur dadurch bestimmt wird, dass es auf Wände geschrieben wurde, sondern dass es auch einen originären Sinn hat. Das heisst, entweder es beinhaltet ein Stück Lebensweisheit oder ansonsten muss es direkt vom Herzen des Schreibers kommen. Sonst ist es kein richtiges Graffiti mehr. Und all die nachgeplapperten, das heisst nachgeschriebenen, oder bewusst konstruierten Inschriften, sind keine Graffiti mehr, sondern blosse Wandverunstaltung. Sie geben nämlich keinen Aufschluss über die seelische Verfassung der zeitgenössischen Gesellschaft und sind deswegen wertlos.“

Ich sehe schon, wie die Köpfe rot anlaufen und Selen Reisner vorwerfen möchte, dass er eine veraltete Meinung habe und dass echte Graffiti nicht die Kritzeleien auf den Wänden seien, sondern die mit Herzblut hergestellten pieces. Dem wird Reisner selbstverständlich entgegenhalten, dass die pieces eine blosse Übernahme der althergebrachten Graffiti durch Künstler seien. Dass sie aber nicht deren Wert hätten, da sie blosse Namen darstellten. Etwas, das weder Aussage, noch Weisheit beinhalte und lediglich zeige, dass die Sprayer nicht einmal mutig genug seien, ihren echten und gesamten Namen aufzusprühen. Diese Art von Graffiti sei den Wandkritzeleien meilenweit unterlegen. Wenn Selen die Nachfolger der Wandgraffiti suche, so würde er sie auf den Buttons der 70er und 80er mit ihren Parolen finden. Worauf Selen wutentbrannt brüllen wird, dass das genau seinen Punkt bekräftige, dass Reisners Meinung veraltet sei. Bis schlussendlich die beiden Herren schäumend und nach Luft ringend einander gegenüber sitzen und zum nächsten verbalen Schlagabtausch ausholen. Glücklicherweise springt Jan ein.

Jan: „Dann sind wir jetzt also im 20. Jahrhundert angelangt. Wollen wir noch kurz auf KilroyWikipedia.de gibt folgende Information über Kilroy:
Die Figur Kilroy wurde weltberühmt durch den Satz „Kilroy was here“ („Kilroy war hier“), der im Zweiten Weltkrieg von US-Soldaten an die unmöglichsten und seltsamsten Stellen geschrieben wurde. Der Satz wurde oft von einem Bild begleitet, das ein Gesicht mit einer länglichen Nase und zwei runden Augen zeigte. Dieses Gesicht schaute über eine Mauer und war meist das einzige, aus dem das Bild bestand. Manchmal wurden zusätzlich die Finger gemalt, die sich an der Mauer festhielten. Urheber: Perry Rhodan
einge…?“

„Nein!!“, brüllen ihm zwei wütende Herren ins Ohr und lassen ihn erschrocken zur Seite springen. Beleidigt verkrümelt er sich in der Ecke. Er hatte doch nur versucht zu schlichten.

Reisner schnappt sich seinen Mantel und verschwindet aus dem Raum. Ich hoffe, er kommt zurück, wenn er sich etwas beruhigt hat. Nach einem Augenblick fasst sich Andrea ein Herz und fragt schüchtern: „Wie wär’s, wenn wir nun die zeitgenössischen Graffiti in Angriff nehmen?“

Alle nicken erschöpft. Es liegt noch viel Arbeit vor uns. Craig Castleman räuspert sich und bietet uns an, kurz die Resultate seiner Forschung zu den Graffiti im New York der 60er bis 80er des 20. Jahrhunderts vorzustellen.

Castelman: „Das Spezielle an New Yorks Graffiti ist, dass sie begonnen haben die U-Bahnen zu erobern.“

Vorher wurde hauptsächlich an Wände von Schenken, Kirchen, Häusern, etc. geschrieben. Durch das gesamte Mittelalter hindurch bis heute finden sich in Europa Inschriften, die sich über das Wetter, das andere Geschlecht und die Lebens- und Arbeitsbedingungen beklagen. Am 27. Oktober 1904 wurde das U-Bahnnetz New Yorks eröffnet. 60 Jahre später entdeckte Graffiti es für sich und begann es mit Hilfe von Markern und Sprühdosen in Besitz zu nehmen. Das heisst aber nicht, dass das das erste Mal war, dass Graffiti auf Zügen angebracht wurden. Es gibt Fotos aus den 1920ern, die vollgekritzelte Züge in Nordamerika zeigen. Diese Graffiti gehören aber in die Tradition der oben erwähnten Graffiti auf Wänden von Schenken, Kirchen und Häusern. Die Sprühdosengraffiti wurden in den 1960ern geboren.

Castleman: „Es wird erzählt, dass der Erste, der damit begann seinen Spitznamen und seine Hausnummer aufzuschreiben ein Jugendlicher aus Washington Heights namens Demetrius war. Sein Spitzname war Taki, seine Hausnummer 183. Darum schrieb er auf Wände, Pfeiler, öffentliche Gebäude und hauptsächlich U-Bahn-Stationen in ganz Manhattan: Taki 183. Weitere frühe writer waren Frank 207, Chew 127 und Julio 204. Zu Beginn war es nicht wichtig, einen schönen hit (so nannte man damals die tags) zu hinterlassen, sondern seinen Namen so oft wie möglich aufzuschreiben. Erst als hunderte weitere writer ebenfalls begannen, ihre Namen zu schreiben, legte man mehr Wert auf den style, in dem der tag geschrieben wurde, damit der eigene Name in all den Namen nicht unterging. Aber nicht nur das Aussehen der tags wurde nun wichtig, sondern auch der Ort, an dem sie zu finden waren. Wenn man seinen Namen an Orten hinterliess, die schwer zu erreichen waren, wie der obere Teil eines Gebäudes, stellte man sicher, dass man auffiel. Am Meisten wurde aber in der U-Bahn geschrieben, bis schlussendlich die Stationen und das Innere der Wagen nur so übersäht waren mit tags. Um in dem ganzen Gewusel noch auffallen zu können, begannen viele writer ihre Namen auszuschmücken. Sie umrandeten sie, verschmolzen Buchstaben ineinander, integrierten Kronen und Teufelsschwänze in ihre Namen oder malten einfache Figuren dazu. Obwohl diese Namen verziert waren, waren sie immer noch gut zu lesen. Erst als Top Cat 126 aus Philadelphia nach Manhattan kam, änderte sich das. Top Cat 126 behauptete, Graffiti von Cornbread, einem Pionier aus Philadelphia, gelernt zu haben. Er schrieb seinen Namen in langen, dünnen, eng aneinandergepressten Buchstaben, die auf einer Plattform standen, und nur schwer zu lesen waren. Das hob seinen Namen aber aus den anderen Namen heraus. Nun begannen auch andere writer styles zu entwickeln. Zu Beginn gab es zonenspezifische styles, wie den Brooklyn-style und den Bronx style. Brooklyn-style war erkennbar durch frei fliessende Buchstaben, die mit Herzen, Pfeilen und Wirbel verziert wurden. Bronx style war eine Mischung zwischen Brooklyn-style und den langen, gedrängten Buchstaben Top Cats, die den Namen Broadway Elegant bekamen. Diese zonenspezifischen styles wurden aber bald abgelöst von individuellen styles. Jeder writer wollte seinen eigenen style haben.

Als auch der style nicht mehr genügte, um aufzufallen, wurden die Namen immer grösser und immer farbiger gemalt. Zuerst wurden die Namen als überdimensionale tags auf den Aussenseiten der Waggons angebracht. Andere umrandeten ihre Namen mit verschiedenen Farben, so dass ein Regenbogeneffekt entstand.

1972 wurde das erste allgemein anerkannte masterpiece (= piece) von Super Kool gemalt: Er malte seinen Namen auf eine U-Bahn, die im Depot stand, in grossen rosa Buchstaben und umrandete sie mit gelber Farbe.

Das inspirierte die anderen writer, es ihm sofort nachzutun. Phase II malte masterpieces in dicken, grossen, runden und sorgfältig gefärbten Buchstaben, die er bubble letters nannte. Diese entwickelte er dann weiter zu Bubble Buchstaben mit Sternen (phasemagorical phantastic), Bubble Buchstaben umgeben von Wolken (bubble cloud), Bubble Buchstaben mit schachbrettähnlicher Ausmalung (checkerboard phase phantastic), Bubble Buchstaben mit übergrossen Köpfen (bubble big top), usw.

Die nächste style-Revolution brachte Pistol I mit dem ersten Piece in 3D: Er malte seinen Namen in rot und weiss und umrandete es teilweise mit einem blauen Band, das den Effekt von Dreidimensionalität ergab. Diesen style zu adaptieren, bereitete den anderen writern Mühe. Keiner schien es fertigzubringen, dreidimensionale Stücke zu malen. Pistol hatte offensichtlich lange auf Papier geübt, bevor er mit seinem style an die Öffentlichkeit gegangen ist. Mit Geduld und Übung gelang es aber auch anderen writern in 3D zu schreiben, so dass sich der style rasant ausbreitete.

Graffiti hatte sich zu dem Punkt hin entwickelt, dass nun nicht mehr nur die Anzahl von tags, die man hinterliess, wichtig war, um Anerkennung zu bekommen, sondern auch der style. Das Gleichgewicht verlagerte sich also etwas weg von der Übermacht der Quantität, hin zu Qualität. Das heisst nicht, dass Quantität verschwand. Es war immer noch wichtig, seinen Namen so oft wie möglich anzubringen, um im Meer der writer nicht unterzugehen. Aber da allen bewusst war, dass ein schön geschriebener und verzierter Name aufwändiger und risikoreicher war als ein einfacher tag, musste man, wenn man pieces malte, eine geringere Menge liefern, um dennoch den Respekt und die Anerkennung der Graffiti-Gemeinde zu behalten.

Die grossen pieces auf den Aussenseiten der U-Bahn-Wagen wurden zuerst unterhalb der Fenster angebracht. Später zogen sie sich von der Ober- bis zur Unterkante (top-to-bottom). Sie wurden grösser und breiter, bis sie sich über den gesamten Waggon (whole car) erstreckten. Das erste whole car wurde 1973 von Flint 707 gemalt. Es war 3D, silbern und schwarz gestreift, und hatte eine blau-weiss gestreifte Wolke als Hintergrund.

Sofort griff das Malen von whole cars wie ein Lauffeuer um sich. Je mehr von ihnen gemalt wurden, umso mehr wurde auch der Hintergrund miteinbezogen. Die Namen befanden sich nun also auf raffinierten Hintergründen und wurden durch Zeichnungen ergänzt. Mitte der 70er hatten sich die besten writer der Stadt auf enorme whole-car-Bilder spezialisiert, die Karikaturen, Cartooncharaktere, Landschaften, Festtagsbilder (wie Weihnachten, etc.) und sogar eigene Interpretationen des New Yorker Stadtlebens beinhielten.

Aber die writer beschränkten sich nicht nur auf einen Waggon. Mit der Zeit dehnten sich ihre Bilder über mehrere Waggons aus, so dass gesamte Themenkomplexe wie Himmel und Hölle und dergleichen behandelt werden konnten.

Ungefähr zeitgleich mit whole cars kamen auch throw-ups auf. Bis dahin wurde der Begriff throw-up für Malereien benutzt, die schlecht konzipiert und schluderig ausgemalt waren. Ein writer namens IN machte sich diese Merkmale zunutze und übersähte die Stadt mit seinen throw-ups. Er machte das ohne irgendwelche künstlerischen Ambitionen. Ihm ging es einzig und allein um den Wettkampf, darum, seinen Namen am Meisten aufzuschreiben. Als er 5000 throw-ups erreicht hatte, feierte er das mit einem grossartigen whole car, um den anderen writern zu beweisen, dass er sehr wohl ein piece herstellen könne, wenn er nur wolle. Danach machte er weiter mit seinen throw-ups, bis er 10’000 hatte und sich zur Ruhe setzte. Er nahm den Titel King of it all mit sich und hatte demzufolge sein Ziel erreicht.

Das Ziel jedes writers war es, king (engl. für König) zu werden. Um König oder Königin zu werden, musste man entweder seinen Namen öfter als alle anderen und an spektakuläreren Orten als alle anderen anbringen. Oder man musste ein Meister des styles sein, unverkennbare, grossartige Bilder malen. Wenn man alles miteinander kombinierte und beherrschte, erhielt man den Titel King of it all.“

Faszinierend! Castleman hält inne und schaut uns erwartungsvoll an. Wir sind alle dermassen umlullt von den stürmischen Jahren der Weiterentwicklung von Graffiti im New York der 60er bis 80er des 20. Jahrhunderts, dass wir einen Moment brauchen um zu realisieren, dass es nun an uns ist, Castlemans Ausführungen zu kommentieren. Ich mache den Anfang.

Ich: „Das ist ja alles sehr interessant. Jetzt sehe ich auch, wieso die Wandkritzeleien und die Wandmalereien beide den Namen Graffiti tragen: Weil sich aus den tags (= Namen), die eigentlich nichts anderes sind, als „Ich war hier“-Bekundungen, die Namen geschrieben mit style und Farbe entwickelt haben, aus denen wiederum die gemäldegleichen Malereien mit Landschaften und dergleichen entstanden sind. Diese Malereien sind aber nur einer von zwei Zweigen, die beide aus dem Schreiben von tags ausbrachen. Der zweite Zweig ist das Schreiben von throw-ups, die nichts mit handwerklichem Können, sondern bloss mit der Häufigkeit ihrer Erscheinung zu tun haben. Graffiti, wie es bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts existierte, war ein „Ich denke dies und das über das Leben und teile es mit“. Daraus entwickelten sich zwei Strömungen, die „Ich bin hier“-Strömung, zu denen die tags und throw-ups gehören; und die „Das ist mein Kommentar“-Strömung, zu denen die pieces gehören. Schlussendlich gibt es wie überall noch Mischerscheinungen der zwei.

Was ich in dieser Zusammenfassung weggelassen habe, ist das Interesse vieler writer an Ästhetik. Viele writer haben ein starkes Interesse an der Ästhetik von Buchstaben, an Farben und ihrer Wirkung. Auch der technische Aspekt darf nicht unterschätzt werden. Die Sprühdosen, ihre Aufsätze, all diese technischen Gegebenheiten werden von den writern aktiv in ihre Werke miteinbezogen; es wird damit experimentiert und Graffiti Schritt für Schritt weiterentwickelt.“

Obwohl ich den Werdegang von Graffiti nun schon viel besser verstehe, stört mich immer noch etwas: „Ich finde trotzdem, dass Graffiti als Bezeichnung all dieser Tätigkeiten unglücklich gewählt ist.“

„Und wie möchtest du es dann nennen?“, wollen die anderen wissen.

Ich überlege einen Moment und mache dann diesen Vorschlag: (Text in Arbeit)

Nun haben wir also die Entwicklung von Graffiti bis Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts nachverfolgt. Wir befinden uns aber im Jahr 2012. Was ist in den 22 Jahren zwischen damals und heute passiert?

Ich: „Die Graffitiwelle ist von New York über die ganze Welt geschwappt. Die Bewohner anderer Länder sind dem Beispiel der New Yorker writer gefolgt und haben ihren eigenen style entwickelt. Heute werden die New Yorker writer als Old schooler angesehen, denen Respekt gezollt wird. Die writer der verschiedenen Länder empfinden sich aber inzwischen als unabhängig von ihnen, vertreten ihren eigenen style und entwickeln ihn weiter.“

Das ist alles, was ich weiss. Und das genügt nicht. Leider gibt es in der Graffiti-Forschung ab den 80ern eine Lücke. Man hat sich zwar sehr wohl auch in all diesen Jahren mit dem Thema befasst, nur ist das alles dermassen chaotisch zu und her gegangen, dass heute so viele widersprüchliche und unzureichende Informationen erhältlich sind, dass ich nicht weiss, was ich glauben soll, was falsch, und was schlichtweg erfunden ist.

Den grössten Teil der Literatur dieser zwei Jahrzehnte machen Dokumentationen über Graffiti einzelner Länder aus. Das heisst, die Autoren haben Fotos von Graffiti in Buchform gesammelt und mit prägnanten Aussagen von writern ergänzt. Der Vorteil dieser Bücher ist, dass man sich Graffiti aller Herren Länder ansehen kann, ohne vor Ort reisen zu müssen. Der Nachteil ist, dass die gesammelten Graffiti und Aussagen oft unreflektiert übernommen wurden. Von writer zu writer, von Buch zu Buch wird entweder das Bild weitergetragen, das Graffiti von sich selbst geschaffen hat. Oder es wird die vorurteilsbelastete Meinung der Gesellschaft übermittelt. Das bringt uns nicht weiter.

Ich werde sehen, ob ich brauchbare Informationen zusammenkriege. Sobald ich sie habe, werde ich sie hier mit Ihnen teilen.


Links

Graffiti: Two Thousand Years of Wall Writing

Getting Up: Subway Graffiti in New York

The History of Aerosol Spray Cans

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